Bedeutung der Verlobung

Die Verlobung ist das gegenseitige Versprechen zweier sich liebender Menschen zu heiraten. Der Entschluss sich zu verloben ist keine leichtfertige Entscheidung, auch wenn es kein rechtlich bindendes Hochzeitsversprechen ist. Mit der Verlobung beginnt die Probephase der Ehe. Man zeigt somit auch der Familie, dem Freundeskreis und dem Rest der Welt, dass man sich füreinander entschieden hat, dass es dem jungen Paar sehr ernst ist mit ihrer Beziehung zueinander und dass man sich auf die Hochzeit vorbereitet. In den letzten Jahrzehnten war die Verlobung eher verpönt, wurde als verstaubtes und überholtes Relikt aus der elterlichen Jugend angesehen. Doch seit einiger Zeit erlebt die Verlobung ein richtiges Revival. Gerade in Zeiten, in denen Beziehungen zum Teil sehr schnelllebig geworden, die wirtschaftlichen Verhältnisse schwierig sind und eine Finanzkrise von der nächsten Arbeitsmarktkatastrophe gejagt wird, besinnen sich viele junge Menschen auf familiäre Werte und schätzen die Sicherheit, die von dem festen Familiengefüge ausgeht. 


In früheren Zeiten war eine Verlobung nicht ohne weiteres zu lösen. Es mussten schwerwiegende Gründe vorliegen, zum Beispiel Betrug oder Vielweiberei, damit die Verlobung gelöst werden konnte. Hatten die beiden Verlobten bereits vor der Hochzeit den Beischlaf praktiziert und wurde die Verlobung dann gelöst, war es das gesetzlich verankerte Recht der Braut, ein so genanntes „Kranzgeld“ vom Verlobten zu fordern, als Entschädigung für den Verlust ihrer Jungfräulichkeit und damit auch ihrem gesunkenen Ansehen. In damaligen Zeiten war es allgemeine gute Sitte, dass die Frau jungfräulich in die Ehe ging.  Der Begriff Kranzgeld leitet sich von dem alten Brauch ab, dass die jungfräuliche Braut einen Myrtenkranz bei ihrer Hochzeit trug – die nicht mehr ganz so unbescholtene Braut hingegen musste einen Strohkranz tragen. In der DDR wurde das Gesetz zur Regelung des Kranzgeldes bereist 1957 abgeschafft – in der Bundesrepublik, man höre und staune, erst am 4. Mai 1998. Die Paragraphen §§ 1297-1302 im BGB bestehen weiterhin. Dort ist u.a. festgelegt, dass bei Lösung einer Verlobung der Partner auf Herausgabe der während der Verlobungszeit gemachten Geschenke sowie auf Schadensersatz verklagt werden kann, wenn z.B. die eigene Wohnung gekündigt, das Hochzeitskleid bereits gekauft oder auch die Hochzeitsvorbereitungen schon vorfinanziert worden sind. Dies ist eine Ableitung des früher verlangten Kranzgeldes. Doch es gibt noch weitere offizielle Änderungen bei Bestehen einer Verlobung. Der / die Verlobte erlangt vor dem Gesetz den Status eines Angehörigen, was zum Beispiel bei Krankenhausaufenthalten des Partners oder auch vor Gericht von Vorteil sein kann.


Die Verlobung ist rechtlich nicht bindend, das bedeutet, dass die Ehe nicht eingeklagt werden kann. Dennoch wird eine Verlobung nicht leichtfertig eingegangen. Sie ist nun mal ein Heiratsversprechen und wird auch von beiden Partner entsprechend ernstgenommen. Versuchen Sie einmal, gedanklich Ihren Partner jemand Fremden vorzustellen: „Das ist mein Verlobter“ laut auszusprechen hat doch eine spürbar andere Qualität als zu sagen „Das ist mein Freund / mein Partner / mein Lebensgefährte“. Und so fühlt es sich auch anders an. Mit dem Heiratsantrag und der Übergabe des Ringes teilt man der Partnerin / dem Partner mit, dass man sie / ihn liebt, dass man sich vorstellen kann, den Rest des Lebens mit ihr / ihm zu verbringen und dies jetzt auch ganz offiziell dem Rest der Welt mitteilen möchte. Kann es ein schöneres Liebesgeständnis geben?